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SCHOTTEN - Heute endet die Amtszeit von Artur Ruppel, der als Stadtbrandinspektor fast 22 Jahre lang an der Spitze der Einsatzabteilungen der Schottener Feuerwehren stand. Seit 43 Jahren gehört Artur Ruppel der Feuerwehr an. 1975 trat er in die Jugendabteilung der Brandschützer in seinem Heimatort Eschenrod ein. 1979 wurde er in die Einsatzabteilung übernommen, deren Leitung er bereits vier Jahre später als Wehrführer übernahm. Diese Funktion begleitete er bis 1997. Bereits ein Jahr zuvor, 1996, folgte er Willi Doll im Amt des Stadtbrandinspektors. Im Gespräch mit dem Kreis-Anzeiger zieht Artur Ruppel jetzt eine Bilanz seiner Amtszeit und beurteilt die aktuelle Situation der Schottener Feuerwehren.


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Herr Ruppel, Ihre Amtszeit als Stadtbrandinspektor geht heute bei der gemeinsamen Versammlung der Schottener Feuerwehren in Rainrod zu Ende. Aus Altersgründen können Sie kein weiteres Mal kandidieren, da Sie am Ende einer neuen fünfjährigen Amtszeit älter als 60 Jahre sein würden. Ist diese Altersgrenze noch zeitgemäß, zumal als Stadtbrandinspektor weniger die körperliche Fitness als ein großer Erfahrungsschatz gefordert ist?

Die Altersgrenze für die aktiven Feuerwehrangehörigen ist in den letzten Jahren mehrmals angehoben worden. Es ist davon auszugehen, dass auch die Altersgrenze für die Führungskräfte demnächst angehoben wird. Persönlich muss man aber darauf achten, den richtigen Zeitpunkt eines ordentlichen Abgangs zu finden.


Es gibt die Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung. Warum haben Sie diesen Weg nicht beschritten?

Nach fast 22 Jahren ist es wahrscheinlich sinnvoll, einen Schlussstrich zu ziehen. Wenn zu einem früheren Zeitpunkt Kameraden bereit gewesen wären, das Amt zu übernehmen, wäre ich schon vorher ausgeschieden.


Ist Ihre Nachfolge geregelt? Wer wird heute Abend als neuer Stadtbrandinspektor und seine beiden Stellvertreter kandidieren?

Ich hoffe, dass der bisherige zweite Stellvertreter Jochen Wöllner zum Stadtbrandinspektor gewählt wird. Für die beiden Stellvertreterposten gibt es wahrscheinlich drei weitere Kandidaten.


Sie standen fast 22 Jahre an der Spitze der Schottener Feuerwehren. Was hat sich in dieser Zeit verändert? Sind die Anforderungen an die Einsatzkräfte größer geworden?

Die Feuerwehren der Stadt Schotten sind in den letzten 20 Jahren mehr zusammengewachsen. Das vor 20 Jahren bestehende Kirchturmdenken hat deutlich nachgelassen. Hierdurch und durch die Ausbildung an sich ist die Qualität unserer Arbeit deutlich gewachsen.


Die Großgemeinde Schotten hat einschließlich der Kernstadt 15 Stadtteile. In jedem gibt es eine Feuerwehr für die Fahrzeuge, Gerätschaften und Gebäude unterhalten werden müssen. Gibt es für alle Wehren noch eine Daseinsberechtigung? Wäre eine - zumindest teilweise - Zusammenlegung auch aus finanzieller Hinsicht nicht sinnvoller? Immerhin betrug im Jahr 2016 der städtische Zuschuss für die Feuerwehren 360000 Euro.

Die Stadt Schotten ist die fünftgrößte Flächengemeinde in Hessen. Bedingt durch die gesetzlichen Vorgaben muss die zehnminütige Hilfsfrist für die Vorhaltung von Feuerwehren beachtet werden. Hierdurch ist eine Zusammenlegung von Feuerwehren in der Großgemeinde nur bedingt möglich. Nach meiner Ansicht wäre es falsch, funktionstüchtige Feuerwehren zwangsweise zusammenzulegen.


Wie sieht es mit der personellen Stärke der Einsatzabteilungen aus. Ist die Tagesalarmbereitschaft noch überall gegeben? Viele Feuerwehrleute sind beruflich außerhalb Schottens engagiert.

Auch in Schotten haben wir durchaus Probleme in einzelnen Orten. Dies kompensieren wir aber dadurch, dass wir mehrere Feuerwehren tagsüber gemeinsam alarmieren. Dies gilt für Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr.


Wie ist es um den Nachwuchs bestellt? Viele Einsatzkräfte kommen ja aus den Jugendabteilungen. Sie haben einmal gesagt, die Feuerwehren müssten sich für jüngere Leute attraktiver machen? Haben die Jugendlichen überhaupt noch ein Interesse an der Feuerwehr?

Es ist sicherlich schwieriger, Jugendliche für die Feuerwehr zu begeistern, als in früheren Zeiten. Sofern aber eine gute Jugendarbeit gemacht wird, kommen nach wie vor die Jugendlichen zu den Feuerwehren. Ein Erfolgsgarant sind auch die in fast allen Ortsteilen neu gegründeten Kindergruppen. Hier können wir die Kinder bereits zu einem frühen Zeitpunkt an uns binden. Diese für uns so wichtige Arbeit in diesen Gruppen steht und fällt mit den Personen, welche die Zeit und das Engagement finden, sich für die Kinder beziehungsweise Jugendlichen zu engagieren.


Wie sind die Schottener Feuerwehren mit der notwendigen Technik und Infrastruktur versorgt?

Wir haben begonnen, die vorhandenen älteren Fahrzeuge gegen wasserführende Fahrzeuge in den Stadtteilen auszutauschen. Dies steigert die Schlagkraft der Stadtteilfeuerwehren. In der Kernstadt stehen größere Neuanschaffungen erst zum Ende des nächsten Jahrzehnts an.


Wie ist der Ausbildungsstand? Wie wird das Angebot von Lehrgängen wahrgenommen? Wie sieht es mit dem Bereich Atemschutz aus?

Nach meinem Dafürhalten haben die Feuerwehrkräfte in der Großgemeinde einen guten Ausbildungsstand. Die meisten Führungskräfte haben die gesetzlich vorgeschriebenen Führungslehrgänge absolviert. Im Bereich Atemschutz dürften wir eine Führungsrolle einnehmen. Derzeit haben wir 220 Personen mit einem Atemschutzgeräteträgerlehrgang. Von diesen Kameradinnen und Kameraden erfüllen 125 die sehr hohen Hürden, wie ärztliche Untersuchungen und Streckendurchgänge, eines Atemschutzgeräteträgers. Damit sind wir im Vogelsbergkreis führend.


Eine ganze Reihe von Feuerwehreinsatzkräften sind bei der Stadt Schotten beschäftigt. Bei der Einstellung werden Feuerwehrleute bevorzugt. Ist das ein Modell, das sich bewährt hat?

Wir haben bereits 1998 mit diesem Modell begonnen. Ich denke, dass dieses Modell für ländlich strukturierte Kommunen wie die Stadt Schotten von großem Nutzen im Feuerwehrwesen ist. Aktuell gibt es 15 Kolleginnen und Kollegen, die tagsüber die Einsatzfahrzeuge in der Kernstadt besetzen.


Besonders bedrückende Einsätze sind Ereignisse, bei denen Todesopfer zu beklagen sind. Wie gehen Sie damit um? Wie stark belastet es die Kollegen?

Ich habe immer versucht, den nötigen Abstand während eines Einsatzes zu den Ereignissen beziehungsweise zu den Betroffenen zu halten. In der Folge beschäftigt eine bedrückende Situation ohnehin. Den Kameradinnen und Kameraden steht im Bedarfsfalle die Betreuung durch die Notfallseelsorge zur Verfügung.


Die Freiwilligen Feuerwehren verrichten ihren Dienst ehrenamtlich. Sie sind bei der Stadt Schotten angestellt? Hätten Sie Ihr Amt auch ausüben können, wenn Sie zum Beispiel in der Privatwirtschaft tätig wären? Wie hoch ist die zeitliche Belastung?

Das Amt ist sicherlich mit einem großen Zeitaufwand verbunden. Ich denke aber, dass eine gut funktionierende Verwaltung bei einem Großteil der Aufgabenfelder unterstützen kann. Hier muss sowohl von Feuerwehrseite als auch von Verwaltungsseite die nötige gegenseitige Akzeptanz mitgebracht werden. Die größte zeitliche Inanspruchnahme, welches das Amt mitbringt, liegt außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeiten. Man muss auch nicht alles selber machen. Hier hatte ich immer wieder sehr gute Unterstützung von meinen Stellvertretern und den Wehrführern.


Der Bau des Gefahrenabwehrzentrums mit der Eröffnung im Jahr 2012 war sicherlich eine der bedeutendsten Ereignisse in Ihrer Amtszeit. War das Projekt - auch in dieser Größe - notwendig, und wie hat das GAZ die Entwicklung der Schottener Feuerwehren beeinflusst?

Das Gefahrenabwehrzentrum beherbergt Bergwacht, Polizei und Feuerwehr und konnte mit einem Gesamtaufwand von 3,8 Millionen Euro umgesetzt werden. Andere Feuerwehrhäuser in einer ähnlichen Größenordnung haben ein Mehrfaches von dem gekostet. Der finanzielle Aufwand, welcher für das Objekt erforderlich war, ist mehr als gerechtfertigt. An dem ehemaligen Standort hätten ebenfalls umfangreiche Sanierungen angestanden. Im Übrigen haben wir mit dem Vulkaneum und der Heizzentrale eine äußerst sinnvolle Verwendung für das alte Feuerwehrhaus ermöglicht. Mit dem Objekt haben wir nunmehr ein Haus, in welchem zeitgemäße Unterbringung der Gerätschaften und auch eine ordnungsgemäße Ausbildung stattfinden können.


Wenn Sie die 22 Jahre Ihrer Amtszeit noch einmal Revue passieren lassen, was war für Sie als Stadtbrandinspektor der schönste Moment?

Es gibt zahlreiche schöne Ereignisse in dieser Zeit. In der nahen Vergangenheit hat es mich sehr gefreut, als ein Wehrführer nach der letzten Dienstversammlung zu mir sagte: "Es war mir eine Ehre, unter deiner Führung der Angelegenheit Feuerwehr dienen zu dürfen."



Veröffentlicht im Kreis-Anzeiger vom 14.04.2018

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